„Ich bin wie ein Feel-Good-Manager!“ – #neverlunchalone mit Annette Schwindt, #4

Thomas Reis und Annette Schwindt

Wer sich ernsthaft mit den Funktionalitäten von Facebook, Twitter und Co. auseinander setzt, kommt irgendwann nicht mehr an Annette Schwindt und ihrem Blog „In Sachen Kommunikation“ vorbei. Annette liebt es, in Funktionen einzutauchen und richtig zu verstehen. Erst dann schreibt sie darüber. Ihre Stimme hat Gewicht, weil ihre Inhalte voller Substanz sind. Hier erzählt Annette im Interview nach unserem #neverlunchalone – mit ihrem Mann Thomas Reis – über sich und ihre Arbeit:

Du gibst ja sehr viel Know-how auf deinem Blog weiter und hilfst auch bei Fragen weiter. Bekommst du auch etwas zurück?
Ja! Viel Wertschätzung, Vertrauen und ich lerne alle möglichen Menschen kennen. Fast mein kompletter Freundeskreis besteht inzwischen aus Menschen, die mich zuerst als schwindt-pr gefunden haben. Daraus haben sich spannende Kooperationen und Projekte ergeben, aber auch dicke Freundschaften entwickelt.
Manchmal wird es auch sehr anrührend, wenn mir Menschen erzählen, wie meine Art zu arbeiten ihnen Mut gemacht und ihr Leben verändert hat. Sowas gibt mir viel mehr als alles Geld der Welt!

Natürlich führt das Vertrauen meiner Leser auch zu Weiterempfehlungen und zu Beratungsaufträgen, die dann auch bezahlt werden. Aber da ich aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht in der Lage bin, Vollzeit zu arbeiten, könnte ich davon nicht leben.

Ich tue, was ich tue, weil es mir Spaß macht und mein Leben (und das meines Mannes und vielleicht auch das von anderen) bereichert. Ich sehe mich da eher in einer sozialen als in einer finanziellen Funktion. In Unternehmen heißt sowas „Feel-Good-Manager“. 😉

Was findet du selbst besonders spannend? Wo kannst du dich so richtig „verlieren“?
Ich komme ja ursprünglich aus dem Journalismus, daher fasziniert mich alles, was mit Sprache(n) zu tun hat. Das können gesprochene Sprachen sein, gut geschriebene Texte oder auch HTML und CSS. Und das, was man damit machen kann: Also Geschichten transportieren, Menschen verbinden.

Dementsprechend kann ich mich im Geschichten erfahren oder erzählen genauso verlieren wie beim Coden. Ich habe meinen Weg ins Web immerhin mal damit begonnen, Websites für Menschen und Projekte per Hand zu coden. WordPress hat das inzwischen natürlich größtenteils übernommen, aber das bedeutet nicht, dass ich an dem dort vorhandenen Code nicht noch herumschraube, wenn die vorgegebene Version den Anforderungen, die ich zum Transportieren meiner Kommunikation suche, nicht entspricht.

Und in der Meta-Ebene kann ich mich natürlich auch darin verlieren, mich mit anderen über das Kommunizieren auszutauschen. Ob das nun als Mentorin oder beim Beantworten von Fragen stattfindet, beim Social Media Chat Bonn, oder bei Projekten mit anderen.

Welche Tipps hast du persönlich fürs Netzwerken?
Leider muss man darauf hinweisen, dass ehrliches Interesse am anderen oberstes Gebot sein sollte. Denn unglücklicherweise begegnet es mir immer wieder, dass Kontaktanfragen nur den Nutzen des Anfragenden oder das Steigern von Kontaktzahlen zum Ziel haben. Das ist nicht der Sinn der Sache und solche Anfragen lehne ich auch direkt ab.

Wer sich hingegen die Mühe macht, mit anderen in echte Gespräche zu kommen und das vorzugsweise nicht zuerst über das eigene Anliegen, oder nur zum Vorspielen von anderen als der eigenen Interessen, der wird effektiver und vor allem nachhaltiger zum Ziel kommen.

Also: ehrliches Interesse, echte Gespräche, zuhören, sich hilfreich einbringen und das Ganze am besten bevor es um das eigene Anliegen geht. Das würde ich ja außerhalb vom beruflichen Kontext auch nicht anders machen. Und so oder so geht es immer um Menschen.

Zur Person: Annette Schwindt ist Bloggerin und Beraterin für digitale Kommunikation. Nach ihrem Magisterabschluss in Romanistik und Soziologie absolvierte sie ein Volontariat zur Zeitungsredakteurin und schloss daran ein Aufbaustudium zur Beraterin für Public Relations an. Schon während ihres Studiums arbeitete sie als freie Journalistin, seit 2002 als freie Beraterin für Kommunikation vor allem im kulturellen Bereich und für KMU. Seit 2013 ist sie auch als Mentorin tätig. Ihr Blog „In Sachen Kommunikation“ gehört zu den führenden deutschsprachigen Blogs über digitale Kommunikation und PR.

Viktoria Balensiefen: „Netzwerke nutze ich intuitiv!“

Viktoria Balensiefen, ideale Agentur. Bild: Bettina Koch

Viktoria Balensiefen ist Unternehmerin und Personalberaterin. Rein berufsbedingt interessiert sie sich daher für die Karriere-Wege und Netzwerk-Strategien, die Menschen wählen und nutzen, um beruflich erfolgreich ihren Weg zu machen. Die Betriebswirtin (Schwerpunkte: Personal, Marketing) war zuvor in Konzernen langjährig weltweit als internationale Produkt- und Marketing-Managerin tätig, und gründete 2003 ihr eigenes Unternehmen ideale Agentur. Ihre Erfahrungen um „passende“ gute Strategien für die berufliche Entwicklung gibt sie als seither auch als Coach weiter.

Wie gehst du als Headhunterin ans Netzwerk heran? Brauchst du überhaupt ein Netzwerk?

Netzwerke nutze ich mittlerweile mehr oder weniger intuitiv und je nach Ziel bzw. Anlass. Gestartet habe ich das aktive und vor allem strategische Netzwerken mit Anfang 30 – jetzt nach über 10 Jahren ist es bei mir ein bisschen wie Autofahren geworden, ich denke kaum noch drüber nach.

In welchem Netzwerk engagierst du dich konkret? Also ein Online-Netzwerk oder ein Verband, Verein etc.?

Ich bin auf mehreren Ebenen aktiv: „Offline“ sind das zunächst Vereine wie Lions und BPW, bei denen ich aktives Mitglied bin und viele Menschen kenne. Dann kommen noch Netzwerk-Termine über z.B. die IHK und andere Bonner wirtschaftsnahe Institutionen. Hier nutze ich die Möglichkeit, mich zu spannenden Themen zu informieren und Menschen (wieder) zu treffen, die sich ähnlich interessieren. Online findest Du mich bei Xing, Facebook und LinkedIn.

Daneben gibt es noch einige nicht-institutionelle Netzwerk-Kontakte, zu denen ich eine freundschaftliche Verbindung pflege: telefonieren, mailen, sich treffen und austauschen …

Bitte verrate uns deinen persönlichen Netzwerk-Tipp!

„Netzwerk“ ist ein spröder Begriff, bei dem man schnell vergessen kann, dass ein Netzwerk immer aus Menschen besteht.

Ich mag es gerne persönlich und unterstütze daher die Menschen in meinem Netzwerk gerne, wenn ich es kann. Manchmal ist es ein Tipp für einen guten Steuerberater, manchmal ein Gedanke für die Positionierung des Anderen. Oder ich leite eine Anfrage für einen Auftrag, der nicht zu mir passt, an einen anderen Menschen weiter. Somit zahle ich auf die „Gefallens-Bank“ ein und weiß, dass die Zinsen schon irgendwann kommen (wenn auch vielleicht aus einer anderen Richtung). Wenn ein Netzwerk-Kontakt im Moment vielleicht nichts für mich tun kann, aber der Kontakt an sich gut bzw. interessant ist, ist mir das auch egal. Wenn mich ein Kontakt jedoch als Wissens- und Akquise-Plattform benutzen will, wenn er mich gefühlt „ausnimmt“, kappe ich die Verbindung sanft.

Netzwerk-Treffen sind für mich Arbeitszeit und kein Hobby. Das schlägt sich in der Vorbereitung, der Kleidung und vor allem meiner Haltung wieder – ich bin noch im Job, und nicht privat im Feierabend!

Buchtipp:

Selbstmarketing für Journalistinnen. Crowdspondent zeigt, wie´s geht.

Ein tolles Beispiel dafür zeigt die Internetpräsenz crowdspondent.de der beiden Journalistinnen Steffi Fetz und Lisa Altmeier, Absolventinnen der Deutschen Journalistenschule in München:

Screenshot Crowdspondent.de
Screenshot Crowdspondent.de

Die beiden schreiben ihre Geschichten im Team und berichten darüber auf ihrer Website. 2013 bekamen sie für ihr Projekt einer Brasilienreise ein Stipendium der Vocer MediaLabs. Drei Monate lange reisten sie im Auftrag ihrer Leser durchs Land und berichteten darüber. Sie drehten Videos, schrieben darüber und erstellten Podcasts. Das Projekt machte ihnen so viel Spaß, dass sie es unbedingt weiterführen wollten, diesmal mit einer Deutschlandreise. Mit einer eigenen Sendung auf EinsPlus verdienen sie jetzt auch Geld mit ihrem Projekt. Beide sagen: »Wir haben das Gefühl, dass sich jede Minute lohnt, die wir in Crowdspondent stecken. Weil wir dabei viel lernen, weil wir dadurch
unabhängig sind und mittlerweile auch, weil wir damit Geld verdienen.« Ihre Beiträge kannst du nicht nur auf der Website finden; ihre Videos sind auf YouTube und die Podcasts bei Soundcloud eingebunden. Über Neuigkeiten halten dich die beiden auf Facebook und Twitter auf dem Laufenden.

Linktipp: Wer mehr zum Thema „Selbstmarketing für Journalisten“ lesen möchte, empfehle ich unbedingt die Seite www.fitfuerjournalismus.de von Bettina Blass und Timo Stoppacher.

Hast du auch Lust, deine Netzwerk-Geschichte mit uns zu teilen? Dann beantworte einfach diese drei Fragen:

  • Bei was genau hat dir dein Netzwerk geholfen?
  • Welches Netzwerk war es konkret? Also ein Online-Netzwerk oder ein Verband, Verein etc.?
  • Bitte verrate uns deinen persönlichen Netzwerk-Tipp!

und schicke sie an u.blindert@uteblindert.de.

Das Ziel: Traumjob in der PR. Das Ergebnis: erreicht. Der Weg: Xing, Telefon und Biss.

Judith Peller
Judith Peller

Als Judith Peller, Pressesprecherin bei Wax in the City, bei ihrer Jobsuche nach zwei Enttäuschungen mit ihren letzten Arbeitgebern überlegte, was ihr beim nächsten Job wirklich wichtig wäre, stellte sie fest: Ich will es nicht weit zur Arbeit haben! Also machte sie sich auf die Suche.

JUDITH PELLER, PRESSESPRECHERIN BEI WAX IN THE CITY:

»Nachdem ich nach Ende des Studiums zweimal Pech mit meinen Arbeitgebern hatte, setzte ich mich hin und versuchte erst einmal herauszufinden, was mir denn wirklich wichtig bei meinem nächsten Job wäre. Ich wusste damals nicht viel darüber, was ich wollte – außer, dass meine Arbeitsstelle nicht mehr als zehn Minuten von meiner Wohnung sein sollte. Ich suchte also nach Unternehmen im Umkreis meiner Wohnung, die mich spontan interessierten. Eines der Unternehmen, das ich fand, war Wax in the City. Vier weitere kamen ebenfalls in die engere Wahl – auch wenn die Entfernung mit 20 bis 30 Minuten
etwas größer war.
Bei XING schrieb ich nun fünf Mitarbeiter aus diesen Unternehmen an. Nur zwei meldeten sich auf meine Nachricht, eine davon war eine ärgerliche Antwort mit dem Vorwurf, ich wolle mir Interna erschleichen. Die zweite Antwort war
positiv: Eine Mitarbeiterin von Wax in the City schrieb mir zurück, wir tauschten uns über ihre Arbeit und meine Motivation aus, und ich begann, mich für das Unternehmen zu interessieren. Also sprach ich im nächsten Schritt die Geschäftsführerin direkt an und traf mich schließlich auf einen Kaffee mit ihr. Einen Job im Bereich Kommunikation hatten sie damals leider nicht für mich, aber im Lauf des Gesprächs überzeugte sie mich schließlich, mich wenigstens für eine offene Stelle im Bereich Expansion / Franchise zu bewerben – die ich schließlich auch bekam.
Inzwischen bin ich in die Kommunikation gewechselt – ein Traumjob in einem richtig tollen Unternehmen, der mich sehr glücklich macht. Zur Arbeit fahre ich übrigens nur acht Minuten mit dem Fahrrad.«

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Anna Neumann: Von DaWanda zu Pinterest

Anna Neumann

Anna Neumann, im Web auch bekannt unter Anna Sterntaler, verdankt ihren Job beim DIY-Portal DaWanda ihren Aktivitäten im Internet. Anna studierte von 2003 an an der HbK und der TU Braunschweig Kunstwissenschaft, Medienwissenschaften und Amerikanische Literaturwissenschaft und schloss Mitte 2008 mit einem Magister ab. Dazwischen schob sie noch ein Auslandssemester an der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona ein.

ANNA NEUMANN, COMMUNITY MARKETING MANAGER, PINTEREST
DACH:

»Bereits während meines Studiums machte ich Praktika bei PR-Agenturen, bei der Frauenzeitschrift Für Sie und dem Museum Hamburger Deichtorhallen, arbeitete als studentische Hilfskraft an der TU Braunschweig und als freie Mitarbeiterin bei der Braunschweiger Zeitung. Ich hatte also schon viel Erfahrung, als ich Mitte 2008 mit dem Studium fertig wurde. Ich fand aber keine Stelle in meinem Wunschbereich Medien und PR. Im gleichen Jahr hatte ich unter annasterntaler.blogspot.de mit dem Bloggen begonnen: Do-it-yourself (DIY), Mode, Berlin,Einrichten – das sind bis heute meine Themen. Hauptsache farbenfroh, kreativ und gerne auch mit einem Augenzwinkern erzählt.«

Ihr Blog und ihr Interesse an Mode und DIY passten genau zu DaWanda in Berlin, fand Anna, als sie sich für ein Praktikum bewarb. »Ich musste schon am Ball bleiben und immer wieder nachhaken«, erzählt sie. Im Praktikum ging alles ganz schnell: Nach zwei Monaten bekam sie bereits eine feste Stelle als Junior Manager Communications angeboten. Sie blieb bis Mitte 2014 bei DaWanda, zum Schluss als Social Media Manager mit eigenem Team. Mittlerweile arbeitet sie bei Pinterest und baut deren Deutschland-Standort mit auf. Auch hier haben sicher ihre
knapp 30 000 Follower ihrer Pinterest-Präsenz und ihr großes Netzwerk ein gutes Argument für ihre Bewerbung geliefert.
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