Netzwerken, aber bitte strategisch!

Beim Aufbau des Berufsnetzwerks strategisch vorzugehen, halte ich für ein wichtiges Karrieretool. Denn gute Noten oder gute Zeugnisse bedeuten leider nicht automatisch einen guten – oder überhaupt einen – Job. Es ist eher so, dass diejenigen, die viel präsent sind, mit vielen Menschen sprechen, eher – und leichter – an Aufträge oder Stellen kommen.

Viele – vor allem Absolventen und Berufseinsteiger – stören sich an dem Begriff Strategisch. Vielleicht, weil es ein Begriff aus der Militärsprache ist? Dabei schadet eine Strategie nur dem, der keine hat. Mir ging das zu Anfang meines Berufslebens auch so. Ich habe einfach mit großer Begeisterung bei meinem Arbeitgeber, einem mittelständischen Verlag, gearbeitet, ohne mir darüber Gedanken zu machen, wo ich denn in fünf Jahren stehen möchte. Dann hätte ich erkennen können, dass ein Aufstieg in diesem Unternehmen nicht möglich war, dafür war es zu klein.

Strategisch netzwerken also, aber wie?

Zunächst einmal geht es darum, sich über die eigenen Ziele und Wünsche klar zu werden. So kristallisieren sich Jobs, Unternehmen und Personen heraus, die für einen wichtig werden können. Mit diesen solltest du versuchen, in Kontakt zu kommen. Manchmal funktioniert das ganz leicht, in dem du zum Beispiel über ein Fachthema an diese Person herankommst. Hierbei empfiehlt sich oft der persönliche Kontakt, zum Beispiel auf einer Konferenz. Weniger hilft es, Personen auf Geschäftsführungsebene über soziale Netzwerke anzusprechen. Ausnahme: Diese nimmt aktiv an Diskussionen online teil. Dann ist sie meist einer Ansprache gegenüber aufgeschlossen. Gerade in Personalabteilungen hat sich hier viel geändert. Wer als Ansprechpartner aus dem HR-Bereich seine Kontaktdaten im Internet veröffentlicht, vielleicht sogar bei Twitter oder Facebook, kann auch darüber angesprochen werden.

Eine grundsätzlich positive Einstellung zum Netzwerken hilft, denn aus den eigenen Kontakten ergeben sich meist die nächsten Kontakte zu den dann besonders wichtigen Personen. So kann man zum Beispiel vor Konferenzen die Teilnehmerliste durchgehen und direkt schauen, wen man bereits kennt. Hier würde ich dann vorab Kontakt aufnehmen und mal nachfragen, wer denn sonst noch so vom Unternehmen mitkommt. So weißt du schon über potenzielle Gesprächspartner Bescheid.

Kontakte verwalten. Xing oder auch LinkedIn (oder das eigene Adressverwaltungsprogramm) würde ich nutzen, um Kontakte in Listen einzuteilen, nach a, b und c, je nach Wichtigkeit. A-Kontakte sollten natürlich anders gepflegt werden als c-Kontakte. A-Kontakte bekommen zum Beispiel Geburtstagswünsche, ihr tauscht euch ab und zu aus oder gebt Empfehlungen weiter.
Erst geben, dann nehmen. Netzwerken bedeutet Arbeit. Es ist eine Investition in die Zukunft, bei der man erst einmal etwas zur Verfügung stellt. Darüber sollte man sich im Klaren sein. Um Ausbeutung vorzubeugen, helfen klare Ansagen und eine feste Haltung.
Gelegenheiten schaffen. Die Maxime „Never lunch alone“ hilft, um sich regelmäßig mit Menschen bei einem Mittagessen auszutauschen. Sich bei Konferenzen mit immer neuen Leuten zu unterhalten, erweitert das Netzwerk. Auch im privaten Umfeld kann man sich nach potenziellen Kontakten umschauen.
Verbindlich sein. Wenn du etwas zusagst, dann halte dich auch daran. Überlege aber genau, was du wirklich schaffen kannst. Meist halten wir uns dann an Zusagen, vergessen darüber aber unseren eigentlichen Job. Hier hilft die Strategie: Bringt mir das was? Nimmt diese Person nur oder ist sie auch bereit zu geben?
Netzwerk-Controlling. Wer ein eigenes Unternehmen führt, kennt das. Zahlen sind wichtig, und Unternehmen sollten ihre Zahlen im Griff haben. Genauso sollte es bei der Netzwerk-Strategie sein. Überprüfe einfach mal: Wie viel setze ich für mein Netzwerk ein? Geld, Zeit, Know-how? Welcher Wert steht dahinter? Was hat mir mein Engagement gebracht? Einen neuen Job, Sichtbarkeit, Kontakte, Empfehlungen? Aber auch: Spaß, Know-how, das gute Gefühl, anderen Menschen zu helfen, etwas Neues aufzubauen. Du siehst, es geht hier nicht nur um Geld, Jobs und Kunden.
Wenn du dich jetzt fragst, ob ich immer so strategisch vorgehe, muss ich dir verraten: Nein. Ich bin einfach viel zu neugierig auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb treffe ich mich oft einfach so mit Gesprächspartnern und spreche über alles mögliche. Und stelle dabei immer fest, dass sich aus diesen zufälligen Begegnungen richtig gute Gelegenheiten ergeben. Also heißt der letzte Tipp:

Lass Strategie manchmal einfach Strategie sein.

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