#neverlunchalone – Mittagessen mit Mehrwert, #1: Christoph Ziegler von kumulus

Christoph Ziegler, kumulus. Bild: Nina Witte

An einem Donnerstag im April 2015 traf ich mich mit Christoph Ziegler von kumulus zum Mittagessen. In diesem Fall nenne ich das auch gern #neverlunchalone, also Mittagessen mit Mehrwert.

Da wir beide uns schon sehr lange kennen und auch beruflich schon so einiges miteinander gestemmt haben, haben wir uns immer eine ganze Menge zu erzählen.
Dabei ist dieser kleine Film herausgekommen, der zeigt, wie mittelständische und kleine Unternehmen mit Social Media ganz groß herauskommen können. So wie die Buchhandlung aus Wermelskirchen, die mit Wortwolken ihre Kunden verzaubert hat.

Danke an Carasana.tv für die Postproduktion.

Viktoria Balensiefen: „Netzwerke nutze ich intuitiv!“

Viktoria Balensiefen, ideale Agentur. Bild: Bettina Koch

Viktoria Balensiefen ist Unternehmerin und Personalberaterin. Rein berufsbedingt interessiert sie sich daher für die Karriere-Wege und Netzwerk-Strategien, die Menschen wählen und nutzen, um beruflich erfolgreich ihren Weg zu machen. Die Betriebswirtin (Schwerpunkte: Personal, Marketing) war zuvor in Konzernen langjährig weltweit als internationale Produkt- und Marketing-Managerin tätig, und gründete 2003 ihr eigenes Unternehmen ideale Agentur. Ihre Erfahrungen um „passende“ gute Strategien für die berufliche Entwicklung gibt sie als seither auch als Coach weiter.

Wie gehst du als Headhunterin ans Netzwerk heran? Brauchst du überhaupt ein Netzwerk?

Netzwerke nutze ich mittlerweile mehr oder weniger intuitiv und je nach Ziel bzw. Anlass. Gestartet habe ich das aktive und vor allem strategische Netzwerken mit Anfang 30 – jetzt nach über 10 Jahren ist es bei mir ein bisschen wie Autofahren geworden, ich denke kaum noch drüber nach.

In welchem Netzwerk engagierst du dich konkret? Also ein Online-Netzwerk oder ein Verband, Verein etc.?

Ich bin auf mehreren Ebenen aktiv: „Offline“ sind das zunächst Vereine wie Lions und BPW, bei denen ich aktives Mitglied bin und viele Menschen kenne. Dann kommen noch Netzwerk-Termine über z.B. die IHK und andere Bonner wirtschaftsnahe Institutionen. Hier nutze ich die Möglichkeit, mich zu spannenden Themen zu informieren und Menschen (wieder) zu treffen, die sich ähnlich interessieren. Online findest Du mich bei Xing, Facebook und LinkedIn.

Daneben gibt es noch einige nicht-institutionelle Netzwerk-Kontakte, zu denen ich eine freundschaftliche Verbindung pflege: telefonieren, mailen, sich treffen und austauschen …

Bitte verrate uns deinen persönlichen Netzwerk-Tipp!

„Netzwerk“ ist ein spröder Begriff, bei dem man schnell vergessen kann, dass ein Netzwerk immer aus Menschen besteht.

Ich mag es gerne persönlich und unterstütze daher die Menschen in meinem Netzwerk gerne, wenn ich es kann. Manchmal ist es ein Tipp für einen guten Steuerberater, manchmal ein Gedanke für die Positionierung des Anderen. Oder ich leite eine Anfrage für einen Auftrag, der nicht zu mir passt, an einen anderen Menschen weiter. Somit zahle ich auf die „Gefallens-Bank“ ein und weiß, dass die Zinsen schon irgendwann kommen (wenn auch vielleicht aus einer anderen Richtung). Wenn ein Netzwerk-Kontakt im Moment vielleicht nichts für mich tun kann, aber der Kontakt an sich gut bzw. interessant ist, ist mir das auch egal. Wenn mich ein Kontakt jedoch als Wissens- und Akquise-Plattform benutzen will, wenn er mich gefühlt „ausnimmt“, kappe ich die Verbindung sanft.

Netzwerk-Treffen sind für mich Arbeitszeit und kein Hobby. Das schlägt sich in der Vorbereitung, der Kleidung und vor allem meiner Haltung wieder – ich bin noch im Job, und nicht privat im Feierabend!

Buchtipp:

Darf mir mein Arbeitgeber Online-Profile verbieten?

Ein Gastbeitrag von Rechtsanwältin Nina Diercks. In unserer Reihe beantwortet sie Rechtsfragen rund ums Netzwerken. Und wer Nina Diercks kennt, weiß, dass auf einmal trockene Rechtsthemen ganz schön spannend werden:

Rechtsanwältin Nina Diercks. Bild: Lisa Krechting
Rechtsanwältin Nina Diercks. Bild: Lisa Krechting

Nein, das darf der Arbeitgeber grundsätzlich nicht. Schließlich verfügt jeder über das grundrechtlich geschützte allgemeine Persönlichkeitsrecht. Dieses Recht, dass auch die Persönlichkeitsentfaltung umfasst, wird natürlich nicht am Werkstor oder der Bürotür abgegeben. Genauso wenig wie der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer verbieten kann, in eine bestimmte Kneipe am Abend zu gehen, kann er seinem Angestellten untersagen, bestimmte Online-Netzwerke zu nutzen.

Wenn der Jurist aber, wie ich hier eingangs im Text, „grundsätzlich“ sagt, dann folgt die Relativierung zumeist auf dem Fuße. Es kann ganz konkrete Umstände geben, nach denen ein Arbeitgeber aufgrund seiner zustehenden Rechte, dem Arbeitnehmer doch bestimmte Online-Profile und/oder Eingaben darin verbieten kann. So wird einem Polizisten der Undercover arbeitet, natürlich verboten werden können, seine Identität in soziale Netzwerke zu stellen. Gleiches kann für Mitarbeiter von Sicherheitsunternehmen gelten, welche sich auf Beschattungen etc. spezialisiert haben und für die es ebenfalls notwendig ist, dass die wahren Identitäten der Personen nicht mit einem Klick bei Google entschlüsselt werden können. Denkbar wäre auch, dass z.B. ein Chemiekonzern seinen hochspezialisierten Ingenieuren verbietet, bestimmte Fachkenntnisse bei XING oder LinkedIn einzutragen – und zwar zum Schutz vor Industriespionage. Es wäre möglich, dass ein Wettbewerber anhand der bei dem Chemiekonzern angestellten Ingenieuren sowie deren Spezialisierungen und expliziten Fachkenntnissen ermitteln kann, woran der Konzern gerade forscht. Das kann dem Chemiekonzern zum immensen Nachteil gereichen und insoweit könnte hier beispielsweise das Verbot, Spezialisierungen und besondere Fachkenntnisse in die Netzwerke einzutragen, verhältnismäßig sein.

Allerdings – lange Rede, kurzer Sinn: Otto-Normal-Arbeitnehmer kann ein bestimmtes Online-Profil in der Regel nicht verboten werden.

Nina Diercks, MLitt (University of Aberdeen) ist Rechtsanwältin und Partnerin der Kanzlei Dirks & Diercks in Hamburg und Gründerin wie Autorin des Social Media Recht Blog. In ihrer täglichen Arbeit beschäftigt sie sich mit all den juristischen Fragen, denen Unternehmen in der digitalen Welt begegnen. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte liegen in der Beratung und Vertragsgestaltung.

„Jobs werden häufig beim Kaffee gemacht!“ Lars Hahn im Interview

Lars Hahn
Lars Hahn

Lars Hahn verantwortet als Geschäftsführer die LVQ Weiterbildung gGmbH. Ich kenne ihn außerdem als einen außergewöhnlichen Netzwerker, der unter @DerLarsHahn twittert, auf Facebook teilt, kommentiert und in seinem Blog „Systematisch Kaffeetrinken“ über seine persönlichen Ansichten zu Karriere, Weiterbildung, Arbeitswelt und Social Media bloggt. Über sich selbst schreibt er: „Trendschnüffeln, Social Media und Netzwerken – virtuell und real – sind meine Passion.“ Als gebürtiger Ostfriese spricht Lars fließend plattdeutsch (was ich sehr gern höre!), als Wahl-Bewohner des Ruhrgebiets liebt er es zu joggen und zeigt auch schon mal ein paar Streckenansichten bei Instagram unter @derlarshahn.

Ute Blindert: Moin Lars, Ostfriesen gelten ja eher als zurückhaltend. Warum klappt das mit dem Netzwerken eigentlich so gut bei dir?
Da bin ich wohl eher untypisch. Ich bin aber ja auch einige Zeit im Ruhrgebiet. Und hier sind die Leute sehr unkompliziert. Da hab ich wohl was abgekriegt.

Vor einiger Zeit hast du dein Blog „Systematisch Kaffeetrinken“ ins Leben gerufen. Was verstehst du genau darunter?
Naja, wenn man zum Bespiel Leute fragt, wie sie ihren Job bekommen haben, so folgt manchmal als Antwort: „Das war quasi zufällig. Ich hatte eine alte Freundin zum Kaffee getroffen, und als sie da so über den Stress bei ihrer Arbeit plauderte, weil sie zu wenige seien, da ergab eines das andere und ich saß am nächsten Tag bei ihrem Chef. Kurzes Gespräch und ich hatte den Job.“ Typisches Beispiel.
Jobs werden also häufig beim Kaffee gemacht. Und da man meistens nicht auf den Zufall warten kann, sollte man eben Systematisch Kaffeetrinken.

Du befasst dich auf deinem Blog auch viel mit der „Arbeitswelt der Zukunft“. Welche Entwicklungen siehst Du in der kommenden Zeit als besonders entscheidend an?
Digitalisierung ist natürlich nicht nur ein Buzzword, sondern in der Tat noch lange Zeit ein Kernthema. Vernetztes Herangehen an die Arbeit geht damit einher.
Zwar werden auch Flexibiliät von Arbeitsort und –zeiten Einzug halten, was sich viele wünschen, aber auch das erfordert neue Fähigkeiten. Selbstorganisation ist da zu nennen. Das bringt einem ja in der Regel keiner bei.

Viele Menschen sagen ja immer, zum Netzwerken hätten sie keine Zeit. Was antwortest du denen?
Ich kenne Menschen, die sagen, sie hätten zum Schlafen keine Zeit. Es ist eben eine Frage der Prioritäten. Außerdem: Wenn man Netzwerken weniger als Tätigkeit, sondern mehr als Spiel betrachtet, geht das automatisch ins Blut über.

Manche reagieren ganz allergisch, wenn man ihnen vorschlägt, sich Facebook auch mal als berufliches Netzwerk anzuschauen. „Ich poste doch nicht mein Mittagessen!“ rufen sie empört. Von dir sieht man auch schon deine Joggingstrecke… Wie siehst du das denn?
Ich bin ja auch bei Facebook nicht wirklich privat. Aber sehr persönlich. Das heißt, „Menscheln“ darf schon dazu gehören. Übers Joggen habe ich seit je her gerne auch im Geschäftsalltag gesprochen.
Wer Facebook aber nicht beruflich nutzen möchte, der soll das auch lassen. Aber dann werden XING und LinkedIn umso wichtiger.

Du hast mir mal erzählt, dass du Pädagogik studiert und lange als Fahrlehrer gearbeitet hast. Heute bist du Geschäftsführer einer Bildungseinrichtung. Wie wird man das?
Ich bin da so reingerutscht. Ernsthaft? Wer Pädagogik studiert, macht das nicht unbedingt, um Geschäftsführer zu werden, sondern eher um die Welt ein bischen besser zu machen. Aber mein Studienthema war bereits Bildungsberatung und -management. Das mache ich heute noch. Nur eben leitender. Karrieren sind in kleinen Unternehmen oft recht unpragmatisch. Bei Engagement wirst Du da automatisch gefordert.

Was würdest du den Absolventen deiner Kurse empfehlen? Sollen sie nun netzwerken oder brauchen sie es vielleicht gar nicht?
Klar. Wenn man netzwerken pragmatisch betrachtet, kann das ja jeder. Wir haben ja viele Hochschulabsolventen, die sogar mit Support durch Arbeitsagentur oder Jobcenter ihre Weiterbildung bei uns machen. Viele dieser Absolventen sind ja Naturwissenschaftler oder Ingenieure, die bei uns zum Beispiel Fachkraft für Arbeitssicherheit oder Qualitätsmanager werden. Denen empfehle ich dann bisweilen, „Feldforschung“ in punkto beruflichem Arbeitsfeld zu betreiben – gewissermaßen fächergerechtes Netzwerken.
Unseren geisteswissenschaftlich oder BWL-geprägten Teilnehmern, die bei uns eher Marketing, Online-Redaktion oder Social Media Management machen, rate ich dann schon zu beruflicher Marktforschung.
Wichtig ist doch, dass die Art des Netzwerkens zu einem passt. Und ob ich jetzt systematisch Kaffeetrinken oder Teetrinken gehe, ist dann eher einerlei.

Abschlussfrage: Wenn wir uns endlich mal wieder auf einen echten Kaffee treffen, welche Art der Zubereitung empfiehlst du mir?
Ich selbst stehe ja auf espresso doppio macchiato. Also starker Espresso mit reinem Milchschaum. Deutschen Bohnenkaffee trinke ich ja auch. Dann am liebsten schwarz. Aber Dir würde ich empfehlen, den Kaffee so zu trinken, wie er zu Dir passt.

Netzwerken ist Arbeit!

We can do it!
We can do it!

Wenn ich darüber spreche, wie sinnvoll Netzwerken für Jobsuche und Karriere ist, höre ich immer wieder zahlreiche Argumente, warum gerade mein Gegenüber ganz schlecht Netzwerken kann.

Ein sehr beliebtes Argument ist der Zeitfaktor. Völlig zu recht natürlich, denn der Aufbau eines Netzwerks braucht Zeit. Dabei muss man ja nicht nur die Zeitmenge betrachten, die jeden Tag und jede Woche anfällt, sondern auch die Dauer. Realistisch betrachtet kommen die erfolgreichen Netzwerker auf ein Zeit-Investment zwischen drei bis ungefähr zehn Stunden pro Woche. Wenn man dann noch mit einbezieht, dass der Aufbau eines Netzwerks an die zwei Jahre braucht, kommen wir auf ein Mindestinvestment von 300 Stunden (3 Stunden/Woche x 50 Wochen) bis hin zu 1.000 Stunden. Das sind jetzt sehr pauschale Werte, die aber doch ziemlich gut verdeutlichen, in welchen Dimensionen wir uns bewegen. Wenn wir jetzt noch jede Stunde mit 70 Euro beziffern (auch sehr pauschal, ich weiß), kommen wir auf Summen zwischen 21.000 und 70.000 Euro. Nicht schlecht, würde ich mal sagen!

„Wie soll ich das denn schaffen?“, fragen sich viele. Mein Vorschlag dazu: Rechne Netzwerken zu deiner Arbeitszeit!

Netzwerkzeit ist Arbeitszeit!

Der Vorteil: Das gibt dem ganzen eine andere Ernsthaftigkeit! Wenn du dich in der Mittagspause mit jemand zum Austausch triffst, gilt das bereits als Netzwerkzeit. Auch der Austausch und der Vortrag auf der Karrieremesse sind natürlich Arbeitszeit.

Besonders wichtig für Frauen in Eltern- und Teilzeit

Für Frauen halte ich Netzwerken für besonders wichtig. Gerade wer beruflich wegen der Familie zurücksteckt, weniger präsent im Unternehmen ist und dadurch eher von interessanten Projekten und anstehenden Beförderungen ausgenommen ist, sollte netzwerken, was das Zeug hält!

Natürlich ist das Zeitbudget in dieser Phase besonders eng gestrickt – und viele Frauen stecken dann ihrem Mann zuliebe zurück. Somit haben sie auf Dauer noch weniger Kontakte, auf die zurückgreifen können, wenn sie wieder mehr machen können und wollen. Ein Teufelskreis!

Daher sollte auch hier Netzwerkzeit als Arbeitszeit angesehen werden – und fair unter beiden Partnern verteilt werden. Ein bis zwei Abende pro Woche sollten zu machen sein.

Lesetipp: Svenja Hofert hat zu dem Thema in ihrem Karriereblog einen lesenswerten Beitrag geschrieben: Würden Sie 200.000 Euro ins Bloggen investieren oder warum die Gründung so oft schiefläuft (11.7.2014)

Umfrage: Verdeckter Stellenmarkt führt zum Erfolg!

Erfolgreiche Netzwerk-Bewerbungen. Quelle: Kexpa

50 Prozent der Netzwerkbewerbungen führen zum Vorstellungsgespräch, 90 Prozent davon zur Einstellung

Anteil der Bewerbungen per Netzwerk. Quelle: Kexpa 2015
Anteil der Bewerbungen per Netzwerk. Quelle: Kexpa 2015

Eine Umfrage von Kexpa E-Books hat ergeben, dass 50 Prozent der Befragten einer Online-Umfrage mit einer Netzwerk-Bewerbung Erfolg hatten und zum Vorstellungsgespräch
eingeladen wurden. Bei der Netzwerk-Bewerbung handelt es sich um eine Bewerbung, bei der ein Bewerber über persönliche Kontakte und/oder soziale Netzwerke (Facebook, Twitter, Xing etc.) ein Stellenangebot bekommen hat.

90 Prozent derjenigen, die über ein Netzwerk vom Unternehmen zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurden, wurden eingestellt. „Dies ist eine weit bessere Quote als bei klassischen Bewerbungen üblich“, so Karriereberaterin und Kexpa-Gründerin Svenja Hofert.

Erfolgreiche Netzwerk-Bewerbungen. Quelle: Kexpa
Erfolgreiche Netzwerk-Bewerbungen. Quelle: Kexpa

„Bei klassischen Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen sind es eher 20 bis 25 Prozent, die vom ersten in den zweiten Auswahlschritt kommen.“

Folgende weitere Ergebnisse hatte die zwischen Februar und März via Internet durchgeführte
Umfrage:

 

 

1. Bewerber finden über ihr Netzwerk eine neue Stelle, ohne aktiv danach zu suchen und sind langfristig zufrieden

Jobzufriedenheit nach Netzwerk-Bewerbung. Quelle: Kexpa
Jobzufriedenheit nach Netzwerk-Bewerbung. Quelle: Kexpa

Antworten auf die Frage „Wurde Ihnen die Stelle angeboten (passiv) oder haben Sie die Stelle
eigeninitiativ gefunden (aktiv)?“ zeigten mit 55 Prozent, dass Stellen über persönliche Kontakte
einem Bewerber eher angeboten worden sind, dieser also nicht aktiv danach gesucht hat. Die
befragten 84 Bewerber steigen in den neuen Job zu 32 Prozent als „sehr hoch“ zufrieden und zu 50 Prozent „hoch“ zufrieden ein. Diese Einstellung ändert sich im Laufe der Anstellung zu 42 Prozent nicht. Zu 26 Prozent steigt sie weiter an. „Ein persönlicher Kontakt im Rahmen einer Netzwerkbewerbung bietet dem Bewerber deutliche Informationsvorteile in Bezug auf die Unternehmenskultur, die interne Unternehmenslage oder die Stimmung in den Abteilungen eines Unternehmens. Klar, dass die Anstellung weniger negative Überraschungen bereithält“, so Karriereberaterin und Kexpa-Gründerin Svenja Hofert.

2. Netzwerk bietet Vertrauensvorschuss

Qualitative Antworten zu Vorteilen wie „Persönlicher Kontakt, bereits Vertrauen aufgebaut“, „beide
Seiten wussten, worauf sie sich einlassen“, „Vertrauensbonus, weil sich Beteiligte am Prozess
persönlich kennen“, „Empfehlung basiert auf Vertrauen“ oder „Vertrauensvorschuss“ lassen
vermuten, dass der Faktor Vertrauen bei vielen Bewerbungen über einen Kontakt entscheidend ist.
„Dies verwundert nicht, da der Bewerber ja bereits bekannt ist. Unangenehme Überraschungen sind so auch für die Unternehmen seltener “, sagt Svenja Hofert.

3. Netzwerk-Bewerber pflegen ihre Bekanntschaften mindestens genauso wie ihre
Freundschaften

Kontaktpflege beim Netzwerken
Kontaktpflege beim Netzwerken. Quelle: Kexpa

Um das Netzwerk-Verhalten genauer einzuordnen, wurde abschließend gefragt, zu welchem Personenkreis die Befragten einen regelmäßigen und aktiven Kontakt pflegen. Der regelmäßige, aktive Kontakt bedeutet, dass der Befragte zumindest alle drei Monate einen bestimmten Netzwerkpartner kontaktiert. Von den fünf Antwortmöglichkeiten tendiert die Netzwerk-Aktivität zu 50 Prozent dazu, den Kontakt eher zu ihren Bekannten als zu Freunden zu halten. Das bedeutet, dass
Jobangebote aus dem persönlichen Netzwerk zu einem Großteil seitens der Bekanntschaften kommen. 26 Prozent der Befragten gaben an, sie würden in etwa zu so vielen Freunden wie Bekannten Kontakt halten. „Man kann daraus auch das Fazit ziehen, dass aktive Netzwerker sich vor allem auch dadurch auszeichnen, dass sie Bekanntschaften pflegen. Und dass sie genau davon profitieren“, so Hofert.

4. Netzwerk-Bewerbungen sind bequemer

Auf Bewerberseite geschätzt ist vor allem die Effizienz dieses Bewerbungsweges. Darauf deuten
Antworten hin, wie „kein aufwändiges Lebenslauf-Schreiben“ und „unkomplizierter
Bewerbungsprozess“. Den Antworten zu Nachteilen einer Bewerbung per Netzwerk lassen sich durch Mehrfachnennung ebenfalls Kategorien zuordnen. Auszüge wie „schwierig für denjenigen, der empfiehlt, weil er ein Erfolgsversprechen gibt“ könnten demnach bedeuten, dass sich der
Vertrauensvorteil für den Bewerber als riskanter Vertrauensvorschuss seitens der Kontaktperson
widerspiegelt.

PS: Du willst konkrete Beispiele? Die findest du in unseren Netzwerk-Geschichten!

Auf die Schnelle: 10 Netzwerk-Tipps to-go

Bild: das_banni / photocase.com
Bild: das_banni / photocase.com

Jeder soll es. Es ist ja sooo sinnvoll! Aber wie gehe ich Netzwerken richtig an? Hier mal ein paar Tipps to-go fürs schnelle Loslegen:

  1. Mach´den ersten Schritt. Du kannst davon ausgehen, dass die meisten Menschen mindestens genauso nervös sind wie du.
  2. Du kannst deinen „Elevator Pitch„. Was das ist? Sage in 30 Sekunden, wer du bist und was du machst. Sei klar, präzise und mutig.
  3. Visitenkarten. Du hast deine Visitenkarten vergessen? Ganz blöd. Die gehören immer in deine Tasche. Und auch noch in die andere. Und ins Portmonnaie. Angekommen?
  4. Bleib dran. Wer nur einmal mit jemandem spricht, bleibt nicht im Gedächtnis. Ruf wieder an. Verabrede dich zum Mittagessen.
  5. Erst geben, dann nehmen. Es funktioniert wie mit dem Karma-Konto: Du musst erst einmal ins Netzwerk einzahlen, ehe es etwas zurück gibt.
  6. Fang früh an. Ein Netzwerk wächst erst langsam. Aber nach einiger Zeit kannst du „ernten“ und auf dein Netzwerk zählen. Daher solltest du es aufbauen, bevor du es brauchst.
  7. Sei verbindlich und klar. Wenn du eine halbe Stunde Zeit benötigst, dann sag das auch. Sag, ob du nur einen Tipp möchtest oder eine Jobempfehlung.
  8. Sei mutig. Rumhängen mit den Leuten, die du eh schon kennst – nett, aber sinnlos! Geh stattdessen ganz bewusst auf neue Menschen zu.
  9. Frei und systematisch. Frag nicht bei jedem Kontakt, ob er dir was bringt. Aber ausschließlich Klönschnack bringt nichts für den Job!
  10. Bleib nüchtern. Bleib wach. Sei nicht langweilig.

Fällt euch noch ein Tipp ein? Bin gespannt!

Das Ziel: Traumjob in der PR. Das Ergebnis: erreicht. Der Weg: Xing, Telefon und Biss.

Judith Peller
Judith Peller

Als Judith Peller, Pressesprecherin bei Wax in the City, bei ihrer Jobsuche nach zwei Enttäuschungen mit ihren letzten Arbeitgebern überlegte, was ihr beim nächsten Job wirklich wichtig wäre, stellte sie fest: Ich will es nicht weit zur Arbeit haben! Also machte sie sich auf die Suche.

JUDITH PELLER, PRESSESPRECHERIN BEI WAX IN THE CITY:

»Nachdem ich nach Ende des Studiums zweimal Pech mit meinen Arbeitgebern hatte, setzte ich mich hin und versuchte erst einmal herauszufinden, was mir denn wirklich wichtig bei meinem nächsten Job wäre. Ich wusste damals nicht viel darüber, was ich wollte – außer, dass meine Arbeitsstelle nicht mehr als zehn Minuten von meiner Wohnung sein sollte. Ich suchte also nach Unternehmen im Umkreis meiner Wohnung, die mich spontan interessierten. Eines der Unternehmen, das ich fand, war Wax in the City. Vier weitere kamen ebenfalls in die engere Wahl – auch wenn die Entfernung mit 20 bis 30 Minuten
etwas größer war.
Bei XING schrieb ich nun fünf Mitarbeiter aus diesen Unternehmen an. Nur zwei meldeten sich auf meine Nachricht, eine davon war eine ärgerliche Antwort mit dem Vorwurf, ich wolle mir Interna erschleichen. Die zweite Antwort war
positiv: Eine Mitarbeiterin von Wax in the City schrieb mir zurück, wir tauschten uns über ihre Arbeit und meine Motivation aus, und ich begann, mich für das Unternehmen zu interessieren. Also sprach ich im nächsten Schritt die Geschäftsführerin direkt an und traf mich schließlich auf einen Kaffee mit ihr. Einen Job im Bereich Kommunikation hatten sie damals leider nicht für mich, aber im Lauf des Gesprächs überzeugte sie mich schließlich, mich wenigstens für eine offene Stelle im Bereich Expansion / Franchise zu bewerben – die ich schließlich auch bekam.
Inzwischen bin ich in die Kommunikation gewechselt – ein Traumjob in einem richtig tollen Unternehmen, der mich sehr glücklich macht. Zur Arbeit fahre ich übrigens nur acht Minuten mit dem Fahrrad.«

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Anna Neumann: Von DaWanda zu Pinterest

Anna Neumann

Anna Neumann, im Web auch bekannt unter Anna Sterntaler, verdankt ihren Job beim DIY-Portal DaWanda ihren Aktivitäten im Internet. Anna studierte von 2003 an an der HbK und der TU Braunschweig Kunstwissenschaft, Medienwissenschaften und Amerikanische Literaturwissenschaft und schloss Mitte 2008 mit einem Magister ab. Dazwischen schob sie noch ein Auslandssemester an der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona ein.

ANNA NEUMANN, COMMUNITY MARKETING MANAGER, PINTEREST
DACH:

»Bereits während meines Studiums machte ich Praktika bei PR-Agenturen, bei der Frauenzeitschrift Für Sie und dem Museum Hamburger Deichtorhallen, arbeitete als studentische Hilfskraft an der TU Braunschweig und als freie Mitarbeiterin bei der Braunschweiger Zeitung. Ich hatte also schon viel Erfahrung, als ich Mitte 2008 mit dem Studium fertig wurde. Ich fand aber keine Stelle in meinem Wunschbereich Medien und PR. Im gleichen Jahr hatte ich unter annasterntaler.blogspot.de mit dem Bloggen begonnen: Do-it-yourself (DIY), Mode, Berlin,Einrichten – das sind bis heute meine Themen. Hauptsache farbenfroh, kreativ und gerne auch mit einem Augenzwinkern erzählt.«

Ihr Blog und ihr Interesse an Mode und DIY passten genau zu DaWanda in Berlin, fand Anna, als sie sich für ein Praktikum bewarb. »Ich musste schon am Ball bleiben und immer wieder nachhaken«, erzählt sie. Im Praktikum ging alles ganz schnell: Nach zwei Monaten bekam sie bereits eine feste Stelle als Junior Manager Communications angeboten. Sie blieb bis Mitte 2014 bei DaWanda, zum Schluss als Social Media Manager mit eigenem Team. Mittlerweile arbeitet sie bei Pinterest und baut deren Deutschland-Standort mit auf. Auch hier haben sicher ihre
knapp 30 000 Follower ihrer Pinterest-Präsenz und ihr großes Netzwerk ein gutes Argument für ihre Bewerbung geliefert.
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